Projekt Synagoge Stommeln 2026

Paloma Varga Weisz

Eröffnung am 8. September 2026, 19 Uhr, Martinus-Haus, Venloer Str. 546, Pulheim-Stommeln
Ausstellung im Anschlss an die Eröffnung, Synagoge, Hauptstr. 85a

Laufzeit: 8. September bis 6. Dezember 2026

Das Projekt Synagoge Stommeln wird 2026 von der Düsseldorfer Künstlerin Paloma Varga Weisz fortgesetzt. Die Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel "Paloma Varga WEISZ" findet am 8. September 2026 statt. Im Anschluss daran kann die Ausstellung besichtigt werden. Um Anmeldung zur Eröffnung wird gebeten unter kulturabteilung@pulheim.de

 

Das Werk von Paloma Varga Weisz

Im nunmehr fast drei Jahrzehnte umfassenden Werk von Paloma Varga Weisz fließen unterschiedliche Stränge zusammen. Ausgebildet als Bildschnitzerin eignet sie sich eine der ältesten bildhauerischen Techniken an, um Wesen hervorzubringen, die einer anderen Zeit oder einer anderen Wirklichkeit anzugehören scheinen. Doch ihre Figuren erschöpfen sich niemals in ihrer Gestalt. Sie sind Träger von Erinnerung, Echo eines verborgenen Wissens und Verweis auf etwas, das sich dem unmittelbaren Blick entzieht.

Ihre Arbeiten entstehen aus einem Gedächtnis, das weniger erinnert als freilegt. Schicht um Schicht legt sie Bilder, Erfahrungen und Geschichten frei, als grabe sie wie eine Archäologin in den verschütteten Sedimenten unserer Kultur. Vergangenes, Erlebtes und Erdachtes verlieren dabei ihre Grenzen. Aus Geschichte und persönlicher Erinnerung entsteht eine Bildwelt, in der Magie und Wirklichkeit ununterscheidbar werden. Das Rätselhafte ist hier kein Motiv, sondern eine Form der Erkenntnis.

Mit der Arbeit „Paloma Varga WEISZ“, die die Künstlerin für die Synagoge in Stommeln geschaffen hat, kehrt sie zu einer Erfahrung zurück, die ihr Werk seit vielen Jahren begleitet. Es ist eine biografische Erinnerung, zugleich aber auch die Geschichte einer Leerstelle, eines Verschweigens, dessen Wirkung weit über das persönliche Schicksal hinausreicht.


Die Arbeit "Paloma Varga WEISZ" in Stommeln

Für die Stommeler Synagoge hat Paloma Varga Weisz das Atelier ihres Vaters rekonstruiert: einen winzigen Raum im zweiten Stock des Gründerzeithauses seiner Frau in Neustadt an der Weinstraße, hoch oben, dem Alltag entrückt. Hier lebte Feri Varga in seiner eigenen Welt, umgeben von Erinnerungen - hier malte er und schuf seine Werke, Tür an Tür mit dem Kinderzimmer seiner Tochter. Ausführlich erzählte er Paloma von seinem Leben in Ungarn und später in Paris, von wo er 1940 nach Cagnes-sur-Mer flüchtete. Bereits in Paris legte er seine jüdische Herkunft ab und nannte sich fortan nur noch Varga.

1961 folgte er seiner Frau Leonore von Cagnes-sur-Mer nach Neustadt an der Weinstraße. Der Schritt in diese deutsche Provinzstadt bedeutete für ihn einen tiefen Bruch – und als gebürtiger Jude die Rückkehr in ein Land, mit dem er auf traumatische Weise verbunden war. Dieses Schweigen ist zu einem unsichtbaren Erbe geworden. Es hat das Leben und das Werk Paloma Varga Weisz' nachhaltig geprägt.

Im ehemaligen Kultraum der Stommeler Synagoge – einem Ort, der gleichermaßen für jüdisches Leben, Verdrängung und Überleben steht – verdichtet sich diese Auseinandersetzung zu einer räumlichen Erinnerung. Feri Varga ist anwesend, schweigend und unnahbar. Der Besucher bleibt vor der Schwelle stehen. Er kann den Raum nicht betreten, so wie Geschichte sich nur vorstellen, niemals aber noch einmal erfahren lässt. Gerade in dieser Distanz entfaltet die Arbeit ihre eigentliche Kraft: Das Vergangene bleibt unerreichbar und ist doch mit aller Gegenwart wirksam.

 

Paloma Varga Weisz, geboren 1966 in Mannheim, studierte von 1987 bis 1990 Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen und von 1990 bis 1998 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Gerhard Merz.

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen bedeutenden institutionellen Einzelausstellungen präsentiert, darunter in der Kestner Gesellschaft in Hannover (2024), im Henry Moore Institute in Leeds (2020), im Bonnefantenmuseum in Maastricht (2019), in der Skulpturenhalle Neuss – Thomas Schütte Stiftung (2017), im Castello di Rivoli in Turin (2015), im Salzburger Kunstverein (2015), im Kabinett für Aktuelle Kunst Bremerhaven (2013) sowie im Museum Morsbroich in Leverkusen zusammen mit Rosemarie Trockel.

Darüber hinaus war sie an zahlreichen wichtigen Gruppenausstellungen beteiligt, darunter „Die Bildhauer: Kunstakademie Düsseldorf 1945 – bis heute“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (2014), „The Human Factor“ in der Hayward Gallery in London (2014), „Exquisite Corpses: Drawing and Disfiguration“ im Museum of Modern Art in New York (2013), die 4. Berlin Biennale (2006), die 51. Esposizione d’Arte der Biennale di Venezia im KW Institute for Contemporary Art in Berlin (2005) sowie die 9. Triennale für Kleinplastik in Fellbach (2004).

Paloma Varga Weisz ist in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Hammer Museum in Los Angeles, in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, im Bonnefantenmuseum Maastricht, im Museum Kurhaus Kleve sowie in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.
 

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 6. Dezember 2026, zu folgenden Zeiten geöffnet:

Jeden Freitag: 15:00 – 17:00 Uhr
Jeden Samstag & Sonntag: 13:00 – 17:00 Uhr

Ab 7. Dezember 2026 bis 12. März 2027 kann die Ausstellung auf Anfrage besucht werden. Anmeldung bitte an kulturabteilung@pulheim.de

Das Projekt von Paloma Varga Weisz wird großzügig unterstützt durch:
Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln
Initiative zeitgenössische Kunst und Musik Pulheim e.V.
 

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Projekterweiterung in 2026

Im 35. Jahr seines Bestehens wird das Projekt Synagoge Stommeln deutlich erweitert: Künftig begleiten Vorträge und künstlerische Aktionen im öffentlichen Raum die jährlichen Ausstellungen in der Synagoge und vertiefen so den Austausch mit der Stadtgesellschaft. Diese Weiterentwicklung hatte der Rat der Stadt Pulheim im Februar 2026 mit großer Mehrheit beschlossen.

Den Auftakt der erweiterten Reihe gestaltete Prof. Dr. Ursula Frohne (Universität Münster), die zugleich in den neuen künstlerischen Beirat des Projekts unter Leitung des Konzeptkünstlers Mischa Kuball berufen wurde.

Ihr Vortrag Lebendige Erinnerung. Kunst als Denkmalpraxis: Die Synagoge in Stommeln im Kontext vom 7. Mai 2026 betrachtete das Projekt Synagoge Stommeln im Kontext einer künstlerischen Praxis, die historische Orte nicht als statische Erinnerungsorte begreift, sondern als offene Räume, die immer wieder neu aktiviert werden müssen. Ausgehend von Überlegungen von Hannah Arendt und Theodor W. Adorno entfaltet Ursula Frohne die These, dass Erinnerungsorte keiner statischen Bewahrung, sondern einer fortdauernden Praxis des Gedenkens bedürfen. Erinnerung lasse sich nicht als abgeschlossene »Bewältigung« verstehen, sondern als ein Prozess wiederkehrender Auseinandersetzung, der Öffentlichkeit, gemeinsames Verhandeln und die Übernahme von Verantwortung voraussetzt. Vor diesem Hintergrund ordnete der Vortrag auch die Erweiterung des Projekts Synagoge Stommeln ein, mit der die Stadt Pulheim ein deutliches Zeichen setzt und sich erneut zu ihrer historischen Verantwortung bekennt.

Eine weitere Veranstaltung folgte am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026: Unter der Leitung der Düsseldorfer Choreografin und Performance-Künstlerin Daniela Georgieva entstand für das Projekt Synagoge Stommeln die Performance »Traces«, gemeinsam entwickelt mit Josefine Luka Simonsen und Mihyun Ko (beide Choreografie und Tanz). Sie wurde in der Synagoge und im Stadtgebiet von Stommeln aufgeführt. 

 



 

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