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Santiago Sierra

245m≥

12.3.2006

„Die Ausstellungsbesucher sind die Nutznießer des Holocausts.“ Diesen Satz äußerte Santiago Sierra während eines Interviews im Vorfeld zu der Ausstellung 245m³ und nahm damit Bezug auf die wenig bekannten ökonomischen Hintergründe der Judenvernichtung in der Zeit des NS-Regimes, er fokussiert damit einige der Aspekte seiner provokanten und verstörenden Intervention, die er für das Projekt Synagoge Stommeln der Stadt Pulheim im Frühjahr 2006 realisierte.

Gewöhnlich finden Ausstellungen in der Synagoge Stommeln in den Herbstmonaten statt. Sierra entschied sich für den ausgehenden Winter, das beginnende Frühjahr, eine Jahreszeit mit hartem, noch winterlichem Licht.

Sechs PKW waren in der Umgebung der Synagoge geparkt worden, gewöhnliche Fahrzeuge, die sich durch nichts von anderen Autos im Stadtbild der kleinen Gemeinde Stommeln unterschieden. Am 12. März 2006, einem Sonntag, liefen die Motoren dieser unauffällig parkenden Autos. Bis zu 100 Meter lange, schwarze Schläuche leiteten die Abgase aus den Auspuffrohren in das Innere der Synagoge.

Das geschah brachial, provisorisch, beinahe schon improvisiert und nicht akkurat - nach der Art ziviler deutscher Ingenieurskunst - wie Sierra im Interview betonte. Die schwarzen Leitungen durchdrangen den Raum zwischen Fahrzeug und Synagoge auf fremdartige und zugleich aggressive Weise. Sie krochen über die Bürgersteige, durch die kleinen Hinterhöfe und Vorgärten, vorbei an Blumenladen und Kiosk – harmlose deutsche Gegenwart – und schließlich in die Fenster der Synagoge.

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Diashow (4 Bilder)

Dokumentation des Projekts von Santiago Sierra, Foto Sierra

Santiago Sierra, 245m≥, Dokumentation