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Richard Long

The Music of Stones

19.9. – 28.11.2004

Die Synagoge in Stommeln ist ein - wenn auch in den 20er Jahren aufgegebener - Ort, in dem Menschen sich an das Heilige wandten, ein Ort der Versammlung. Mit anderen Worten ist an dieser Stelle schon einmal die Entscheidung gefallen, einen besonderen Ort zu definieren, an dem das Profane mit dem Religiösen in Verbindung treten kann. Im Grunde wäre die Installation Longs in diesem Sinne also eine Dopplung oder eine Wiederholung, da durch diese Intervention erneut ein Ort markiert oder bedeutet wird, der seine Bedeutung in der Vergangenheit schon einmal erhalten hatte. Durch die Form des Halbkreises allerdings ändert sich hier die Situation. Ein Halbkreis ist subjektiv betrachtet eine Form, die ihrer Vervollkommnung zuzustreben scheint, ihr Gegenstück, ihre Ergänzung sucht. Zugleich besitzt ein Halbkreis immer eine bestimmte Ausrichtung.

In seiner Arbeit Slate Atlantic aus dem Jahr 2002, die Long in der Tate St. Ives in Cornwall realisierte, ist der Halbkreis in Richtung des Meeres geöffnet. In Stommeln öffnet er sich in Richtung des Thoraschreins. In beiden Installationen findet die Form des Halbkreises also ihr Gegenüber in etwas, das eine Erfahrung des Numinosen auszulösen vermag. In St. Ives ist es die überwältigende Weite und mythische Kraft der Erscheinung des Meeres, in Stommeln ist es der Bereich der Synagoge, in dem das Heiligste selbst, das Wort Gottes, aufbewahrt wurde. Richard Long ergänzt und intensiviert somit formal die historische Setzung dieses Ortes als religiöse Versammlungsstätte und erneuert sie dabei gleichzeitig unter dem Vorzeichen der Kunst. Die Steine scheinen in ihrer archaischen Bildsprache die historischen Layer der Synagoge zu durchdringen, um jenseits der spezifischen Erscheinungen des Religiösen auf den Ursprung und die ursprüngliche Kraft desselben zu verweisen.

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Diashow (4 Bilder)

Synagoge Stommeln, Richard Long, Installationsansicht, Foto Werner J. Hannappel

Richard Long, The Music of Stones