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Eduardo Chillida

En el límite

26.3. – 18.6.1995

Grenzen beziehungsweise Grenzbereiche manifestieren sich mannigfaltig und bleiben dennoch unfassbar. Die Zeichnung kennt die Linie als Grenze und Medium für die Sichtbarmachung von Raum und Form: In der Linie vereinigt sich die Welt, mit einer Linie wird sie entzweit – Zeichnen ist schön und schrecklich zugleich, lautet eine der Äußerungen von Eduardo Chillida. Zu Beginn der neunziger Jahre, während der Arbeit an der Monumentalskulptur "Elogio del horizonte" für die Steilküste in Gijón, erscheint die Thematik vorrangig gekoppelt mit der des Horizontes. Beide sind Schnittstellen, transzendente Zonen, die per se nicht existieren, aber auf ein rätselhaftes und relationales Geschehen in der Abstraktion des Raumes hinweisen. Die Grenze ist für den Künstler keine klare Konturlinie, sie ist ein vager, undefinierbarer Zwischenraum zweier Phänomene, die aufeinander treffen. Die Grenze markiert die Differenz von Materie und Raum, den Wechsel von Raum und Zeit, so wie der Horizont eine Grenze zwischen Kosmos und Erde wahrnehmbar macht. Der Horizont kennt keinen festen Ort, der Annäherung ermöglicht. Er wandert mit und hängt vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters ab.

Ist nicht die Begrenzung der wahre Protagonist des Raumes, so wie die Gegenwart – eine andere Begrenzung – Protagonist der Zeit ist?, lautet eine der Fragen, die Chillida in seiner Antrittsvorlesung als Ehrenmitglied der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid 1994 stellte.2 Und weiter führte er hierzu aus: Ich glaube, daß der wahre, unverfälschte Dialog, der sich zwischen Materie und Raum entfaltet, das Großartige, das sich auf begrenztem Raum entspinnt, in entscheidendem Maße daraus resultiert, dass entweder der Raum eine schnell bewegliche Materie oder aber die Materie ein kaum beweglicher Raum ist. Ist die Begrenzung nicht nur eine Grenze zwischen verschiedenen Dichten, sondern auch eine Grenze zwischen verschiedenen Geschwindigkeiten?3

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Diashow (3 Bilder)

Eduardo Chillida, En el límite, Ausstellungsansicht, Foto Werner J. Hannappel

Eduardo Chillida, En el límite