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Stommelner Psalter

Christoph Keller / Bureau Mirko Borsche

16.6. – 15.9.2013

„Die Synagoge in Stommeln ist eine der wenigen Synagogen in Deutschland, die während der Pogrome von 1938 und auch der nach dem Krieg einsetzenden Abrisswelle nicht zum Opfer fielen. Abseits des laufenden Kunstbetriebs mit seinen monumentalen Bauten und Ausstellungssuperlativen will der Kunstraum in Stommeln einen anderen Weg aufzeigen: den Weg der Reduktion. Ein Ort – ein Raum – eine Arbeit. Ein versteckt liegendes, stilles Gebäude, ein einzelnes Kunstwerk laden den Betrachter zur Kontemplation ein…“ (aus dem Konzept „Synagoge Stommeln“, Hrsg. Kulturabteilung der Stadt Pulheim,1991)

Im Lauf der 20-jährigen Ausstellungsgeschichte haben Künstler den Raum befragt und in häufig radikaler Einfachheit Position bezogen. Christoph Keller und Mirko Borsche treiben die inhaltliche und formale Radikalisierung noch einen Schritt weiter: mit dem Wechsel des Mediums und der Entscheidung für ein Buch anstelle einer klassischen Ausstellung. Ihr „Stommelner Psalter“ wendet sich der religiösen Bestimmung des Raumes zu und setzt zu einer  Auseinandersetzung mit unseren religiösen Wurzeln an.

Der „Stommelner Psalter“ beruht auf der Psalmen-Übersetzung von Moses Mendelssohn von 1783, die auch die Basis für die Gebetbücher und die rituelle Praxis der Stommelner jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert war.

Die Psalmen sind eine bewusst gesetzte Auswahl aus den „Lobpreisungen“, die sowohl für den jüdischen wie den christlichen Glauben ein theologisches Fundament bilden.

Im „Stommelner Psalter“ werden die Psalmen in hebräischer Leserichtung, aber in Form einer Annäherung an christliche Gebetbücher manifestiert, wobei die eingesetzten Materialien wie z. B. Carbonfasern aktuellste Entwicklungen im Druckbereich widerspiegeln.

Für den Textsatz hat Mirko Borsche den Font „Stommeln“ entwickelt, der hier zum ersten Mal erscheint.

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Diashow (5 Bilder)

Stommelner Psalter (c) Werner J. Hannappel

Stommelner Psalter (c) Werner J. Hannappel