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Carl Andre

Die Leere umschlossen von den Quadraten aus 3,4,5

27.4. – 6.7.1997

Das Quadrat aus 3 addiert mit dem Quadrat aus 4 ergibt das Quadrat aus 5. Aus jedem Lehrbuch der Mathematik ist dieser Satz des Pythagoras nur allzu bekannt.

Das Quadrat der Hypotenuse liegt parallel zur Stirnseite des würfelförmigen Innenraumes des Synagoge Stommeln. Dort befindet sich auch der aus dunklem Holz errichtete Thoraschrein. Die Menge der zum Quadrat genommenen Zahlen 3, 4 und 5 ergibt die Zahl 50. So liegen 50 Eisenplatten in den Ausmaßen 50 mal 50 mal 1 cm zu dieser im mehrfachen Sinne gewichtigen formallogischen Maschine arrangiert auf dem Boden.

Die Eisenplatten sind unbehandelt, zeigen deutliche Spuren der industriellen Fertigung. Der Boden der ehemaligen Synagoge selbst besteht aus ebenfalls quadratischen Steinplatten. Die quadratische Anordnung der Eisenplatten über Ankathete und Gegenkathete fluchtet nicht in die Ecken des ansonsten symmetrisch Raumes. Das Zentrum der Bodenskulptur ist leer. Es knirscht unter dem Eisen, wenn man darauf umhergeht.

"Matter" und "Place", Material im Verhältnis zum Ort, sind wesentliche konstituierende Elemente der skulpturalen Arbeiten Carl Andres. Der Ort, die Synagoge ist bis ins Schmerzliche aufgeladen durch die gemeinsame deutsch-jüdische Vergangenheit, zugleich aber auch entleert nicht zuletzt durch die Redundanz der nur zu oft zur bloßen Formel gediehenen Betroffenheitsbekundungen, leer aber auch durch die Abwesenheit der gesellschaftlichen Gruppe, die für viele Jahrhunderte maßgeblich prägender Teil der deutschen Kultur gewesen ist. Leere durchdringt diesen Ort, und das ist eine andere Leere als die des white cube oder der black box.

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Diashow (3 Bilder)

Andre,  Ausstellungsansicht, Foto Simone Nieweg

The Void enclosed by the Squares of 3,4,5