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Georg Baselitz

Nicht nee nee nee nicht no (Das Bein)

21.3. – 31.7.1993

Baselitz stellt bei der Pressekonferenz anlässlich der Ausstellungseröffnung die Frage, ob die Synagoge Stommeln nicht das Ausstellungszentrum der Gemeinde Stommeln sei. Diese ironische Spitze macht deutlich, welche Position Baselitz zu der historischen Aufladung dieses Gebäudes einnimmt. Er ignoriert die Bedeutung des Gebäudes als ehemalige jüdische Synagoge und verweigert sich dem in Verbindung mit jüngerer deutscher Geschichte allzu oft zum Reflex verkümmerten Betroffenheitsgestus. Er stellt eine hölzerne Skulptur in den Ausstellungsraum, grob bearbeitet mit Kettensäge und Beil, leuchtend gelb bemalt und auf einem Sockel präsentiert. Die Affinität zu der Farbe Gelb stamme möglicherweise von den beiden Kanarienvögeln, die sein Vater besessen habe, bemerkt Baselitz. Obwohl das Gelb zusammen mit dem Rot der Fenster und dem beinahe schwarzen Thora-Schrein die einzige klare Farbe im Innenraum der Synagoge darstellt, er also dem Schwarz und dem Rot das Gelb hinzustellt und damit wohl nicht zufällig politische Assoziationen auslöst, schlägt Baselitz mit Künstlerattitüde und Ironie Haken um Haken, versucht Deutungen zu entgehen und verbindet so seine Arbeit einzig mit dem System Kunst. Gerade an ihn als deutschen Künstler, der als erster nach Kounellis und Serra eingeladen wurde, auf diesen Ort zu reagieren, wurden hohe Erwartungen gestellt, die er einzig aus dem System Kunst heraus pariert und dadurch enttäuscht. Dadurch reagiert er indirekt auf die Institutionalisierung der Betroffenheit und Scham und die Vereinnahmung der Kunst durch gesellschaftliches und/oder politisches Wollen. Auf die Frage, warum er in der Synagoge Stommeln ausstelle, antwortete Baselitz: Weil Kounellis und Serra hier auch ausgestellt haben. Er lässt sich also in seiner Argumentation erst gar nicht auf andere Systeme als auf das System Kunst ein.

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Diashow (3 Bilder)

© Georg Baselitz, Ausstellungsansicht, Foto Werner J. Hannappel

© Georg Baselitz, Das Bein