Grundvoraussetzung für Neuhaus Arbeiten ist die Tatsache, dass die Wahrnehmung von Raum, seiner Dimensionen und seines Charakters, ebenso sehr von akustischen Faktoren beeinflusst wird wie von visuellen. Das Ohr entscheidet nicht weniger als das Auge darüber, ob ein Raum als groß oder klein empfunden wird. Neuhaus arbeitet prinzipiell subtil. Er verwendet in der Regel leise Klänge, die oft nur unterschwellig wahrgenommen werden; Töne, die an der Schwelle zur Hörbarkeit liegen, sich unter die Alltagsgeräusche der Umgebung mischen und sie verwandeln. Neuhaus Arbeiten beruhen häufig auf Paradoxien.
„I call a group of my sound works Moment or Time Pieces. They are artworks which take
the form of communal sound signals. The basic idea of these works, though, is to form the sound signal with a silence rather than a sound.” (m. n.)
In seinem Time Piece Stommeln, das eine halachische, auf jüdischem Religionsgesetz beruhende Zeiteinteilung zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang adaptiert, beginnt das Klangsignal unhörbar, schwillt über die Dauer weniger Minuten unmerklich an, um plötzlich abrupt abzubrechen und ein Empfinden von Stille zu erzeugen. Das Klangsignal ertönt dreizehn Mal am Tag, die Abstände zwischen den einzelnen Signalen ändern sich täglich analog zum Sonnenstand.

